Dienstag, 19. März 2013

Cafe Kladdkakan – wo der Name zum Glück kein Programm ist


Mit diesem Beitrag eröffne ich mal wieder ein internationales Thema, wir fahren nach Stockholm. Die Reise findet zwar nur kulinarisch statt, jedoch habe ich eine ganze Fülle an Erfahrungen mitgebracht, die alle in Form von Berichten hier Erwähnung finden werden.
Wenn ihr schon in Stockholm wart oder euch gerade dort befindet, ist euch inzwischen eins schmerzlich klar. Günstiges Essen gibt es in Stockholm eigentlich gar nicht. Ihr könnt lediglich etwas verhältnismäßig günstiges finden. Angesichts der hohen Preise ist es meiner Meinung nach umso wichtiger wenn nicht schon günstig, dann doch wenigstens lecker zu speisen.
Cafe Kladdkakan befindet sich im touristisch hoch frequentierten, jedoch spannenden Bezirk Gamla Stan. Die Stora Nygatan ist eine der stark überlaufenen Straßen und das Cafe ist damit „mitten drin“. Im Inneren öffnet sich eine nüchterne, leicht amerikanisch angehauchte Atmosphäre. Wie in so vielen ähnlichen Cafes Stockholms ist auch dieses voll mit jungen Leuten, die an ihrem Buch oder Laptop sitzen und sich einen Kaffee genehmigen.
Die Auswahl an Speisen ist überschaubar und ebenfalls amerikanisch bis italienisch inspiriert. So gibt es drei-vier Sorten von belegten Broten, die im Grill warm gemacht und mit kleiner Salatbeilage serviert werden. Ein kleines Angebot an Kuchen ergänzt die Speisenauswahl, die Kuchen sind frisch jedoch eindeutig nicht hausgemacht.
Der Kaffee im Übrigen kann sich durchaus sehen lassen. Dieser ist handwerklich vernünftig gemacht und würde sich in einem kleinen unabhängigen Cafe irgendwo in Berliner Kreuzberg gut passen. Nur würde er dort gerade mal ein Drittel des hiesigen Preises kosten.
So verderben letztendlich die unpassenden Gedanken an den Preisvergleich mit Deutschland den Genuss von eigentlich durchschnittlichem Speisen- und Kaffeeangebot. Diese sind handwerklich gut, jedoch fern von Perfektion. Möchte man jedoch die vorbeieilenden Touristen und Einheimische beobachten und dazu einen gar nicht mal schlechten Kaffee trinken, wäre hier ein nicht schlechter Platz. Das hohe Besucheraufkommen im Cafe ist eher der guten Lage, denn den durchschnittlichen Speisen geschuldet.
Mein Fazit – ist man gerade in der Nähe und will sich aufwärmen oder einen Kaffee trinken, ist Kladdkakan eine gute Wahl. Ist man daran vorbeigegangen, hat man auch nicht sehr viel verpasst.
Cafe Kladdkakan, Stora Nygatan 32, 111 27 Stockholm, Schweden


Donnerstag, 14. März 2013

Restaurant Chaika – halbherzige Nostalgie auf hohem Niveau


Mit diesem Beitrag schließe ich fürs Erste meine kulinarische Reise nach Sankt-Petersburg ab. Nachdem die ersten Geschichten eher die kleinen und oft unscheinbaren „Geheimtipps“ betrafen, geht es nunmehr zuletzt um ein richtiges Restaurant.
Die Idee hinter dem Restaurant Chaika war es wohl einen weiteren Vertreter der hohen (und damit nicht gerade günstigen) Küche in Sankt-Petersburg zu etablieren, der sich von den restlichen bereits bekannten Lokalitäten unterscheidet. Vorauseilend kann ich jedoch sagen, gelungen ist dies nur zum Teil.
Von außen ist das Restaurant im Übrigen kaum zu finden und hat damit einiges mit anderen hohen Vertretern in der Stadt gemeinsam. Man muss einfach wissen, dass der Fahrstuhl in einem Einkaufszentrum am noblen Nevski Prospekt euch nach oben zum Restaurant Chaika bringen wird. Die nächste Gemeinsamkeit mit ähnlichen Restaurants liegt darin, dass auch Chaika die letzte Etage einnimmt und damit einen angenehmen Blick über die Dächer der Stadt bietet.
Am Fahrstuhl vor dem unmittelbaren Eingang zum Restaurant begrüßt jedoch der erste Unterschied, kann man doch ein Erinnerungsfoto an einer Wand schießen, durch die man sein Gesicht durchsteckt und damit ein nostalgisches an die alten sowjetischen Bilder erinnerndes Foto erhält. Das gesamte Restaurant versucht nämlich diese nostalgische sowjetische Atmosphäre aufkommen zu lassen.
Meines Erachtens gelingt es jedoch eher schlecht. Die Kellner sind neutral modern angezogen, die Einrichtung könnte genauso in jedem anderen teuren Restaurant Sankt-Petersburgs stehen, lediglich die reichlichen Bilder an den Wänden geben die alten sowjetischen Plakate wieder. Jedoch sind auch das moderne Wiedergaben, keine Originale.
Auch die Karte bleibt bei weitem nicht konsequent. Es findet sich die eine oder andere russische Spezialität, die meisten Gerichte sind jedoch der europäischen Küche entliehen und haben mit der Sowjetunionnostalgie weder äußerlich noch geschmacklich etwas gemein.
Die Qualität der gereichten Speisen ist als durchschnittlich bis etwas überdurchschnittlich zu bezeichnen, dem hohen eigenen Anspruch wird diese durchaus gerecht. So war die Vorspeise Holodez von guter Konsistenz, frisch und nicht zu fettig. In diesem Zusammenhang sind besonders der Senf und der dazu gereichte Meerrettich positiv zu erwähnen. Diese waren fast schon interessanter und intensiver als die eigentliche gutgemachte Speise. Die Hauptspeise, ein gebratener Lachs war wohl temperiert, fein angerichtet und sehr wohlschmeckend.
Alles in allem ist das Restaurant Chaika sehr darum bemüht seinen Gästen nicht nur perfektes Essen, sondern auch eine richtige Atmosphäre zu servieren. Jedoch klaffen meiner Meinung nach die Atmosphäre und die Speisekarte zu weit auseinander. Die durch die Einrichtungsdetails geweckten Erwartungen werden durch die viel zu europäische Küche je gebremst. Hier hätte wesentlich konsequenter das Programm durchgezogen und die Speisekarte knallhart auf die alte Sowjetnostalgie eingeschränkt werden müssen.   
Mein Fazit – Chaika ist eher etwas für Touristen. Die Einheimischen werden durch den Nostalgieansatz bestenfalls einmal und nur kurz amüsiert, vergessen diesen aber auch sofort. Wer bereit ist für gute Küche einiges zu bezahlen, kann selbst seine Meinung über Chaika bilden. Andere ähnliche Restaurants bieten meiner Meinung nach mehr fürs gleiche Geld.  
Restaurant Chaika (Чайка - Место встречи), Grand Palace Boutique Gallery, letzte Etage,
Italyanskaya Ulitsa 15, St. Petersburg, Russland
www.grandp.ru/restaurant/chaika

Dienstag, 12. März 2013

Pirozhkovaya – die Backwunderwelt mitten im Zentrum


Auch dieser Beitrag betrifft eine Lokalität in Sankt-Petersburg, Russland. Auch hier kann man Kaffee trinken, aber nicht nur. Pirozhki (in Deutschland auch Pirogen genannt), also gebackene Teigtaschen mit süßer oder herzhafter Füllung sind hier nämlich zahl- und variantenreich vorhanden.
Fangen wir aber erst von vorne an. Die Lage der Pirozhkovaya an der Sankt-Petersburger Prachtpromenade Nevski Prospekt, lässt zunächst vermuten, hierbei handle es sich um eines der Toppreisrestaurants der Stadt. Dies ist jedoch weit gefehlt. Vielmehr lebt die Pirozhkovaya von ihrer demokratischen und nüchternen Atmosphäre, in der sich alle Schichten gut durchmischen. Und gut erreichbar ist die Pirozhkovaya allemal, liegt sie doch direkt hinter dem Eingang zu der Metro-Station.
Hat man nun die Pirozhkovaya betreten, öffnet sich einem eine eher nüchterne Atmosphäre, die jedoch durch hübsche Landschaftsfotos aufgelockert wird. Vor einem liegen nun drei Auslagen voller gebackenen Köstlichkeiten. An jede davon kann man sich anstellen, meist wird an allen drei gleichzeitig bedient. Und meistens ist auch an jeder der drei eine Menschentraube versammelt aus Wartenden und Bestellenden.
Gewisse Kenntnisse der russischen Sprache und / oder Küche sind vor der Bestellung empfehlenswert. Zwar sind fast alle Produkte gut sichtbar beschriftet und ausgepriesen, jedoch nur auf Russisch.
Empfehlenswert sind die großen Pirogen, die mit Früchten / Fleisch / Pilzen / Frischkäse oder allen anderen Variationen belegt sind und nach Gewicht verkauft werden. So kann jeder selbst der Verkäuferin die gewünschte Größe beim Schneiden zeigen und kann damit seine Kräfte gut zwischen verschiedenen Gerichten aufteilen.
Daneben gibt es auch Syrniki (Frischkäseküchlein, die man warm mit Creme Fraiche (Smetana) isst), Tschebureki (Blätterteigtaschen mit Fleischfüllung) und verschiedene Suppenvarianten. Zum Trinken kann man Mors empfehlen, es ist eine fruchtige und sehr gesunde Saftzubereitung aus Beeren, die leicht säuerlich schmeckt. Den Kaffee bekommt man auch, dieser schmeckt jedoch bestenfalls durchschnittlich.
Ein Geheimtipp noch – sind die Schlangen vor allen drei Auslagen zu lang (das kann besonders mittags schnell passieren), ist links um die Ecke noch eine etwas kleinere Auslage, die meist das gleiche Sortiment bietet, jedoch seltener voll wird.   
Besonders zu erwähnen ist im Übrigen der Service. Angesichts der verhältnismäßig sehr niedrigen Preise ist die Servicequalität und Freundlichkeit überdurchschnittlich gut. Man wird so freundlich und einladend bedient und hinter einem wird so schnell und unauffällig weggeräumt, das man nur noch staunen kann. Übrigens ist das auch bei sehr teuren Restaurants in Russland bei weitem keine Selbstverständlichkeit!
Mein Fazit – wer zentral, schnell, günstig und lecker sich an die typisch russischen Backwaren heranwagen möchte, wird in Pirozhkovaya bestens empfangen und bedient. Und mitnehmen kann man die Produkte auch alle. Dazu noch ein Schluck Mors und man hat auch etwas für die Gesundheit getan!
Pirozhkovaya (Пирожковая), Ulica Vosstaniya 1, Sankt-Petersburg, Russland
www.pirozhki.spb.ru

Samstag, 9. März 2013

Pyshki – die kleine fettige Versuchung mitten in Sankt-Petersburg


In meinem heutigen Beitrag verlasse ich mal wieder nicht nur Berlin, sondern auch Deutschland und widme mich ganz einer im Ausland weitgehend unbekannten, vermutlich nicht einmal ursprünglich russischen Spezialität. Diese in Sankt-Petersburg zu finden fällt eigentlich leicht, gibt es doch „Pyshki“ an vielen Ecken, besonders im Zentrum der ehemaligen Hauptstadt.

Pyshki (das ist übrigens die Mehrzahl von Pyshka) sind runde, in Fett gebackene kleine Köstlichkeiten, die von der Form und Größe etwa einem Bagel ähneln. Der geschmackliche vergleich könnte jedoch nicht ferner liegen. Ist der Bagel doch fest und brotähnlich, sind die Pyshki weich und süß.

Übrigens versuchen nur Kulturbanausen und Moskauer (in Sankt-Petersburg werden eh die einen den anderen gleichgestellt) die Pyshki als Ponchik zu bezeichnen. Bei dem Ponchik handelt es sich um ebenfalls süßes, weiches Gebäck, das jedoch rund, vom Geschmack etwas fester und oft klein wenig säuerlicher schmeckt. Pyshki sind rund und haben ein Loch in der Mitte. Und basta!

Mein Lieblingslieferant für Pyshki in Sankt-Petersburg befindet sich unweit Sennaya Platz in einem unscheinbaren Cafe. Die Einrichtung ist spartanisch, fast schon sowjetisch, jedoch wäre sie für die alten Sowjetzeiten fast schon nobel. Im Vergleich zu manchen anderen Pyshki-Anbietern, die sich über mangelndes Interesse der Kunden beschweren, ist dieses Cafe zu jeder Tageszeit voll und erfreut sich stetiger Beliebtheit seit mehreren Jahrzehnten.

Den Bestellvorgang meistert übrigens jeder, auch ohne ausgesprochene Russischkenntnisse. Es gibt nämlich nur die Pyshki als Essen und Kaffee oder Tee zum Trinken. So reicht es eine Zahl zu nennen (dve – 2, tri – 3 usw.) für Pyshki und die Verkäuferin reicht diese prompt, mit Puderzucker obendrauf dem Kunden. Zum Trinken kann ich tatsächlich den Kaffee empfehlen, diesen gibt es zwar nur in der Variante mit Milch und Zucker, sie passt jedoch perfekt zu den Pyshki und schmeckt nicht einmal schlecht.

Mein Fazit – wer sich etwas Ungesundes aber leckeres und süßes antun will, keine Angst vor einer Bestellung auf Russisch hat und sich nicht vor Sowjetscharm mit Stehplätzen und selbstgebastelten Papierservietten abschrecken lässt, sollte unbedingt Pyshki ausprobieren.

Pyshki (Пышки), Ulica Sadovaya 32, Sankt-Petersburg, Russland


Mittwoch, 6. März 2013

Doree – das wahre Steakhouse


Mit der heutigen Geschichte kehre ich nicht nur wieder nach Berlin zurück, sondern wage mich an ein Restaurant, das zugleich in aller Munde ist und auch als Geheimtipp gelten kann. Genau das ist in meinen Augen das Doree in Schöneberg.
Wenn mich nämlich mal wieder die Lust nach einem saftigen Steak übermahnt und ich viel Qualität für verhältnismäßig wenig Geld haben will, gehe ich mal wieder ins Doree.
Dass es sich dabei eigentlich um keinen Geheimtipp handeln kann, offenbaren die Mengen an Besuchern, die gerade abends das Restaurant bevölkern. Meistens handelt es sich dabei um das einheimische Publikum aus dem umliegenden Bezirk, ist doch die Gegend nicht gerade für Gourmet-Tempel bekannt. Dieser nur partielle Ruhm wird dem Doree jedoch nicht gerecht, vor allem wenn man weiß, welche Köstlichkeiten sich auf seiner Karte offenbaren.
Der erste Eindruck übrigens überzeugt nicht gerade, für eine auch nur ansatzweit elegante Ausstattung fehlt es dem Betreiber offenbar an Phantasie, Lust oder Mitteln, pendelt sich diese doch irgendwo zwischen einer Eckkneipe und einem undurchschaubaren Asia-Balkan-Deutsch-Restaurant. Dafür sind aber die Kellner fix, kennen die Karte auswendig und bewegen sich stets aufmerksam zwischen den (engen) Reihen.
Auf der Karte selbst findet sich einiges an pseudoitalienischen Spezialitäten, die geschmacklich nicht sonderlich hervorstechen. Auch alle möglichen sättigenden Fleischvariationen wie Schnitzel oder Medaillons sind zum Links-Liegen-Lassen. Worauf ich mich immer im Doree freue, ist die riesige Auswahl an Rindfleisch, gekrönt von meinem persönlichen Favorit, dem Filet. Für den kleinen Hunger 180gr, für den größeren 250. Das Fleisch wird nicht nur sorgfältig ausgesucht, ist frei von Sehnen, Knochen und Fett, sondern auch perfekt zubereitet. Bestellt man übrigens sein Steak „englisch“, bekommt man es auf einer heißen Pfanne serviert, in der das Stück Fleisch noch zu Ende gart während man bereits genüsslich reinbeißt. Und dass man dazu gerade mal (für das größere Stück) 8,49 EUR bezahlt, steigert den Genuss nochmals nachträglich.
Zum Fleisch, vorausgesetzt man ist kein Purist und erwartet eine Beilage, kann ich verschiedene Variationen aus Kartoffeln empfehlen, Bohnen oder Spinat. Die Preise sind so erfreulich gering, dass man in die Versuchung gerät alles zu bestellen. Die Portionen aber sind geradezu riesig, das Preis-Leistungsverhältnis ist einfach paradiesisch. Und den Vergleicht zu den etablierten Steakhouse-Ketten oder gar Fleisch-Gourmee-Tempeln der Stadt muss sich das Doree (was Steaks angeht) geschmacklich überhaupt nicht scheuen. Auch für das vierfache des Preises habe ich keine wesentlichen relevanten Unterschiede herausschmecken können. Vielleicht gelingt ja euch das?
Mein Fazit – das Doree ist ein typischer Verttreter der rustikalen Küche und angesichts der Preisgestaltung einfach unschlagbar. Ein Menü für zwei, samt Getränken, ist für unter 25 EUR zu bekommen und, wenn man die einfache Einrichtung in Kauf nimmt, man speist viel und gut. Unbedingt ausprobieren!
Steakhouse Doree, Dominicusstraße 37, 10827 Berlin