Mit diesem Beitrag schließe ich
fürs Erste meine kulinarische Reise nach Sankt-Petersburg ab. Nachdem die
ersten Geschichten eher die kleinen und oft unscheinbaren „Geheimtipps“
betrafen, geht es nunmehr zuletzt um ein richtiges Restaurant.
Die Idee hinter dem Restaurant
Chaika war es wohl einen weiteren Vertreter der hohen (und damit nicht gerade
günstigen) Küche in Sankt-Petersburg zu etablieren, der sich von den restlichen
bereits bekannten Lokalitäten unterscheidet. Vorauseilend kann ich jedoch
sagen, gelungen ist dies nur zum Teil.
Von außen ist das Restaurant im
Übrigen kaum zu finden und hat damit einiges mit anderen hohen Vertretern in
der Stadt gemeinsam. Man muss einfach wissen, dass der Fahrstuhl in einem
Einkaufszentrum am noblen Nevski Prospekt euch nach oben zum Restaurant Chaika
bringen wird. Die nächste Gemeinsamkeit mit ähnlichen Restaurants liegt darin,
dass auch Chaika die letzte Etage einnimmt und damit einen angenehmen Blick
über die Dächer der Stadt bietet.
Am Fahrstuhl vor dem
unmittelbaren Eingang zum Restaurant begrüßt jedoch der erste Unterschied, kann
man doch ein Erinnerungsfoto an einer Wand schießen, durch die man sein Gesicht
durchsteckt und damit ein nostalgisches an die alten sowjetischen Bilder
erinnerndes Foto erhält. Das gesamte Restaurant versucht nämlich diese
nostalgische sowjetische Atmosphäre aufkommen zu lassen.
Meines Erachtens gelingt es
jedoch eher schlecht. Die Kellner sind neutral modern angezogen, die
Einrichtung könnte genauso in jedem anderen teuren Restaurant Sankt-Petersburgs
stehen, lediglich die reichlichen Bilder an den Wänden geben die alten
sowjetischen Plakate wieder. Jedoch sind auch das moderne Wiedergaben, keine
Originale.
Auch die Karte bleibt bei weitem
nicht konsequent. Es findet sich die eine oder andere russische Spezialität,
die meisten Gerichte sind jedoch der europäischen Küche entliehen und haben mit
der Sowjetunionnostalgie weder äußerlich noch geschmacklich etwas gemein.
Die Qualität der gereichten
Speisen ist als durchschnittlich bis etwas überdurchschnittlich zu bezeichnen,
dem hohen eigenen Anspruch wird diese durchaus gerecht. So war die Vorspeise
Holodez von guter Konsistenz, frisch und nicht zu fettig. In diesem
Zusammenhang sind besonders der Senf und der dazu gereichte Meerrettich positiv
zu erwähnen. Diese waren fast schon interessanter und intensiver als die
eigentliche gutgemachte Speise. Die Hauptspeise, ein gebratener Lachs war wohl
temperiert, fein angerichtet und sehr wohlschmeckend.
Alles in allem ist das
Restaurant Chaika sehr darum bemüht seinen Gästen nicht nur perfektes Essen,
sondern auch eine richtige Atmosphäre zu servieren. Jedoch klaffen meiner
Meinung nach die Atmosphäre und die Speisekarte zu weit auseinander. Die durch
die Einrichtungsdetails geweckten Erwartungen werden durch die viel zu
europäische Küche je gebremst. Hier hätte wesentlich konsequenter das Programm
durchgezogen und die Speisekarte knallhart auf die alte Sowjetnostalgie
eingeschränkt werden müssen.
Mein Fazit – Chaika ist eher
etwas für Touristen. Die Einheimischen werden durch den Nostalgieansatz
bestenfalls einmal und nur kurz amüsiert, vergessen diesen aber auch sofort.
Wer bereit ist für gute Küche einiges zu bezahlen, kann selbst seine Meinung
über Chaika bilden. Andere ähnliche Restaurants bieten meiner Meinung nach mehr
fürs gleiche Geld.
Restaurant Chaika (Чайка - Место встречи), Grand Palace Boutique Gallery, letzte Etage,
Italyanskaya
Ulitsa 15, St. Petersburg, Russland
www.grandp.ru/restaurant/chaika
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