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Donnerstag, 14. März 2013

Restaurant Chaika – halbherzige Nostalgie auf hohem Niveau


Mit diesem Beitrag schließe ich fürs Erste meine kulinarische Reise nach Sankt-Petersburg ab. Nachdem die ersten Geschichten eher die kleinen und oft unscheinbaren „Geheimtipps“ betrafen, geht es nunmehr zuletzt um ein richtiges Restaurant.
Die Idee hinter dem Restaurant Chaika war es wohl einen weiteren Vertreter der hohen (und damit nicht gerade günstigen) Küche in Sankt-Petersburg zu etablieren, der sich von den restlichen bereits bekannten Lokalitäten unterscheidet. Vorauseilend kann ich jedoch sagen, gelungen ist dies nur zum Teil.
Von außen ist das Restaurant im Übrigen kaum zu finden und hat damit einiges mit anderen hohen Vertretern in der Stadt gemeinsam. Man muss einfach wissen, dass der Fahrstuhl in einem Einkaufszentrum am noblen Nevski Prospekt euch nach oben zum Restaurant Chaika bringen wird. Die nächste Gemeinsamkeit mit ähnlichen Restaurants liegt darin, dass auch Chaika die letzte Etage einnimmt und damit einen angenehmen Blick über die Dächer der Stadt bietet.
Am Fahrstuhl vor dem unmittelbaren Eingang zum Restaurant begrüßt jedoch der erste Unterschied, kann man doch ein Erinnerungsfoto an einer Wand schießen, durch die man sein Gesicht durchsteckt und damit ein nostalgisches an die alten sowjetischen Bilder erinnerndes Foto erhält. Das gesamte Restaurant versucht nämlich diese nostalgische sowjetische Atmosphäre aufkommen zu lassen.
Meines Erachtens gelingt es jedoch eher schlecht. Die Kellner sind neutral modern angezogen, die Einrichtung könnte genauso in jedem anderen teuren Restaurant Sankt-Petersburgs stehen, lediglich die reichlichen Bilder an den Wänden geben die alten sowjetischen Plakate wieder. Jedoch sind auch das moderne Wiedergaben, keine Originale.
Auch die Karte bleibt bei weitem nicht konsequent. Es findet sich die eine oder andere russische Spezialität, die meisten Gerichte sind jedoch der europäischen Küche entliehen und haben mit der Sowjetunionnostalgie weder äußerlich noch geschmacklich etwas gemein.
Die Qualität der gereichten Speisen ist als durchschnittlich bis etwas überdurchschnittlich zu bezeichnen, dem hohen eigenen Anspruch wird diese durchaus gerecht. So war die Vorspeise Holodez von guter Konsistenz, frisch und nicht zu fettig. In diesem Zusammenhang sind besonders der Senf und der dazu gereichte Meerrettich positiv zu erwähnen. Diese waren fast schon interessanter und intensiver als die eigentliche gutgemachte Speise. Die Hauptspeise, ein gebratener Lachs war wohl temperiert, fein angerichtet und sehr wohlschmeckend.
Alles in allem ist das Restaurant Chaika sehr darum bemüht seinen Gästen nicht nur perfektes Essen, sondern auch eine richtige Atmosphäre zu servieren. Jedoch klaffen meiner Meinung nach die Atmosphäre und die Speisekarte zu weit auseinander. Die durch die Einrichtungsdetails geweckten Erwartungen werden durch die viel zu europäische Küche je gebremst. Hier hätte wesentlich konsequenter das Programm durchgezogen und die Speisekarte knallhart auf die alte Sowjetnostalgie eingeschränkt werden müssen.   
Mein Fazit – Chaika ist eher etwas für Touristen. Die Einheimischen werden durch den Nostalgieansatz bestenfalls einmal und nur kurz amüsiert, vergessen diesen aber auch sofort. Wer bereit ist für gute Küche einiges zu bezahlen, kann selbst seine Meinung über Chaika bilden. Andere ähnliche Restaurants bieten meiner Meinung nach mehr fürs gleiche Geld.  
Restaurant Chaika (Чайка - Место встречи), Grand Palace Boutique Gallery, letzte Etage,
Italyanskaya Ulitsa 15, St. Petersburg, Russland
www.grandp.ru/restaurant/chaika

Dienstag, 12. März 2013

Pirozhkovaya – die Backwunderwelt mitten im Zentrum


Auch dieser Beitrag betrifft eine Lokalität in Sankt-Petersburg, Russland. Auch hier kann man Kaffee trinken, aber nicht nur. Pirozhki (in Deutschland auch Pirogen genannt), also gebackene Teigtaschen mit süßer oder herzhafter Füllung sind hier nämlich zahl- und variantenreich vorhanden.
Fangen wir aber erst von vorne an. Die Lage der Pirozhkovaya an der Sankt-Petersburger Prachtpromenade Nevski Prospekt, lässt zunächst vermuten, hierbei handle es sich um eines der Toppreisrestaurants der Stadt. Dies ist jedoch weit gefehlt. Vielmehr lebt die Pirozhkovaya von ihrer demokratischen und nüchternen Atmosphäre, in der sich alle Schichten gut durchmischen. Und gut erreichbar ist die Pirozhkovaya allemal, liegt sie doch direkt hinter dem Eingang zu der Metro-Station.
Hat man nun die Pirozhkovaya betreten, öffnet sich einem eine eher nüchterne Atmosphäre, die jedoch durch hübsche Landschaftsfotos aufgelockert wird. Vor einem liegen nun drei Auslagen voller gebackenen Köstlichkeiten. An jede davon kann man sich anstellen, meist wird an allen drei gleichzeitig bedient. Und meistens ist auch an jeder der drei eine Menschentraube versammelt aus Wartenden und Bestellenden.
Gewisse Kenntnisse der russischen Sprache und / oder Küche sind vor der Bestellung empfehlenswert. Zwar sind fast alle Produkte gut sichtbar beschriftet und ausgepriesen, jedoch nur auf Russisch.
Empfehlenswert sind die großen Pirogen, die mit Früchten / Fleisch / Pilzen / Frischkäse oder allen anderen Variationen belegt sind und nach Gewicht verkauft werden. So kann jeder selbst der Verkäuferin die gewünschte Größe beim Schneiden zeigen und kann damit seine Kräfte gut zwischen verschiedenen Gerichten aufteilen.
Daneben gibt es auch Syrniki (Frischkäseküchlein, die man warm mit Creme Fraiche (Smetana) isst), Tschebureki (Blätterteigtaschen mit Fleischfüllung) und verschiedene Suppenvarianten. Zum Trinken kann man Mors empfehlen, es ist eine fruchtige und sehr gesunde Saftzubereitung aus Beeren, die leicht säuerlich schmeckt. Den Kaffee bekommt man auch, dieser schmeckt jedoch bestenfalls durchschnittlich.
Ein Geheimtipp noch – sind die Schlangen vor allen drei Auslagen zu lang (das kann besonders mittags schnell passieren), ist links um die Ecke noch eine etwas kleinere Auslage, die meist das gleiche Sortiment bietet, jedoch seltener voll wird.   
Besonders zu erwähnen ist im Übrigen der Service. Angesichts der verhältnismäßig sehr niedrigen Preise ist die Servicequalität und Freundlichkeit überdurchschnittlich gut. Man wird so freundlich und einladend bedient und hinter einem wird so schnell und unauffällig weggeräumt, das man nur noch staunen kann. Übrigens ist das auch bei sehr teuren Restaurants in Russland bei weitem keine Selbstverständlichkeit!
Mein Fazit – wer zentral, schnell, günstig und lecker sich an die typisch russischen Backwaren heranwagen möchte, wird in Pirozhkovaya bestens empfangen und bedient. Und mitnehmen kann man die Produkte auch alle. Dazu noch ein Schluck Mors und man hat auch etwas für die Gesundheit getan!
Pirozhkovaya (Пирожковая), Ulica Vosstaniya 1, Sankt-Petersburg, Russland
www.pirozhki.spb.ru

Samstag, 9. März 2013

Pyshki – die kleine fettige Versuchung mitten in Sankt-Petersburg


In meinem heutigen Beitrag verlasse ich mal wieder nicht nur Berlin, sondern auch Deutschland und widme mich ganz einer im Ausland weitgehend unbekannten, vermutlich nicht einmal ursprünglich russischen Spezialität. Diese in Sankt-Petersburg zu finden fällt eigentlich leicht, gibt es doch „Pyshki“ an vielen Ecken, besonders im Zentrum der ehemaligen Hauptstadt.

Pyshki (das ist übrigens die Mehrzahl von Pyshka) sind runde, in Fett gebackene kleine Köstlichkeiten, die von der Form und Größe etwa einem Bagel ähneln. Der geschmackliche vergleich könnte jedoch nicht ferner liegen. Ist der Bagel doch fest und brotähnlich, sind die Pyshki weich und süß.

Übrigens versuchen nur Kulturbanausen und Moskauer (in Sankt-Petersburg werden eh die einen den anderen gleichgestellt) die Pyshki als Ponchik zu bezeichnen. Bei dem Ponchik handelt es sich um ebenfalls süßes, weiches Gebäck, das jedoch rund, vom Geschmack etwas fester und oft klein wenig säuerlicher schmeckt. Pyshki sind rund und haben ein Loch in der Mitte. Und basta!

Mein Lieblingslieferant für Pyshki in Sankt-Petersburg befindet sich unweit Sennaya Platz in einem unscheinbaren Cafe. Die Einrichtung ist spartanisch, fast schon sowjetisch, jedoch wäre sie für die alten Sowjetzeiten fast schon nobel. Im Vergleich zu manchen anderen Pyshki-Anbietern, die sich über mangelndes Interesse der Kunden beschweren, ist dieses Cafe zu jeder Tageszeit voll und erfreut sich stetiger Beliebtheit seit mehreren Jahrzehnten.

Den Bestellvorgang meistert übrigens jeder, auch ohne ausgesprochene Russischkenntnisse. Es gibt nämlich nur die Pyshki als Essen und Kaffee oder Tee zum Trinken. So reicht es eine Zahl zu nennen (dve – 2, tri – 3 usw.) für Pyshki und die Verkäuferin reicht diese prompt, mit Puderzucker obendrauf dem Kunden. Zum Trinken kann ich tatsächlich den Kaffee empfehlen, diesen gibt es zwar nur in der Variante mit Milch und Zucker, sie passt jedoch perfekt zu den Pyshki und schmeckt nicht einmal schlecht.

Mein Fazit – wer sich etwas Ungesundes aber leckeres und süßes antun will, keine Angst vor einer Bestellung auf Russisch hat und sich nicht vor Sowjetscharm mit Stehplätzen und selbstgebastelten Papierservietten abschrecken lässt, sollte unbedingt Pyshki ausprobieren.

Pyshki (Пышки), Ulica Sadovaya 32, Sankt-Petersburg, Russland