Toca Rouge fällt von außen kaum
auf. Lediglich das gutgenährte und fröhliche Gesicht neben dem Eingang deutet
darauf, was für Gaumenfreuden einen im Inneren erwarten könnten. Geht man aber
doch rein, erwarten einen zwei Alternativen. Entweder man ist so früh da, dass
das Lokal noch vollkommen leer und äußerst dunkel ist, oder man ist mitten im
Geschehen und schafft es kaum, sich zwischen den Tischen durchzuzwängen.
Erscheint man zum Beispiel am Freitag Abend, braucht man schon sehr viel Glück,
um einen der Tische zu ergattern. Oder noch besser eine Reservierung, denn Toca
Rouge ist schwer angesagt.
Gründe hierfür sind vielfältig.
Das mit der Dunkelheit ist übrigens ein Teil des Konzepts. Das Restaurant ist
in außerordentlich dunklen Tönen gehalten und nur die Halogenlampen unmittelbar über den Tischen (Achtung, hohe
Verbrennungsgefahr!) lassen das Essen in voller Pracht erscheinen. Auch sonst
ist die Deko modern minimalistisch. Das passt aber zu dem Essen und gefällt
offensichtlich auch den Gästen. Auch die Enge im Lokal scheint Absicht zu sein.
Nicht nur wirtschaftlich ist das für den Betreiber von Vorteil, passen doch
mehr Hungrige an die Tische. Auch für die Gäste kann die erzwungene Enge die
Kommunikation zwischen den Tischen (gewollte wie ungewollte) befördern.
Das Essen selbst sticht schon
beim Öffnen der sehr einfach gehaltenen Karte (zusammengetackerte DIN A4 Blätter)
hervor. Und zwar durch Namen. Lassen sich doch auf dieser solche Namen finden
wie „Deep Throat Avocado“, „Stop Making Sense“, „Bailing’s Lips“ oder „Long
Life“. Die englischsprachigen unter euch werden bereits beim Lesen schmunzeln,
den anderen sei zugesichert, in nahezu jedem Namen ist ein Augenzwinkern
versteckt.
Die Gerichte selbst, sobald man
sie probiert, verbinde ich eher mit einem Augenaufreißen, denn –zwinkern. Die
geschmackliche Explosion und das überraschende Zusammenspiel von verschiedenen,
nicht selten sowohl asiatischen, wie europäischen Geschmackeinflußen, ist
schlichtweg begeisternd. Die Betreiber bezeichnen die Küche selbst als „fine
chinese fusion kitchen“. Diese „fusion“ aus verschiedensten unerwarteten
Geschmäckern macht gerade den Unterschied zu einem traditionellen chinesischen
Restaurant aus. Toca Rouge ist überhaupt nicht mit diesem zu vergleichen!
Meine Empfehlung (schließlich
muss man ja mit etwas anfangen) wäre das „Deep Throat Avocado“ als Vorspeise.
Die Riesengarnelen mit Avocado auf einem knusprigen Reiskeks mit Mayonnaise und
Wasabi sind zwar nicht leicht zu verschlingen, sind aber geschmacklich eine gute Einstimmung auf die noch folgenden Gaumengenüsse. Das „Red Black Honey
Girl“ als Hauptspeise ist ein herrliches Zusammenspiel aus Rindfleisch in
leicht scharfer Sauce mit Gemüse und süßem Kartoffel. Und die Farbe ist passend
zu der Einrichtung, schlicht dunkel. Alternativ könnt ihr das „Crazy Orange
Chicken“ wählen – gebratenes Hähnchenfleisch in intensiv fruchtiger
Orangensauce. Ich muss übrigens vorwarnen, trotz relativ durchschnittlicher
Preise sind die Portionen nicht gerade klein. Da die Geschmackskompositionen
euch aber so verzaubern werden, dass ihr den Teller mit großer
Wahrscheinlichkeit leer essen werdet, ist die Gefahr seinem Magen zu viel
zuzumuten immer präsent.
Mein Fazit – Tisch reservieren,
ein paar hungrige Freunde mitnehmen und ein Fest für die Gaumen feiern. Und
„last but not least“ – lasst euch zum Schluss nicht die sanitären Einrichtungen
entgehen. Dort erwartet euch, gerade im Kontrast zu der Inneneinrichtung, ein
Farben- und Lichterspektakel, das seines gleichen sucht. Ihr werdet wissen was
ich meine, wenn ihr da seid.
Toca Rouge, Torstrasse 195,
10115 Berlin
www.tocarouge.de
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