Donnerstag, 21. Februar 2013

Toca Rouge – im Dunkeln ist gut... Schmecken!


Toca Rouge fällt von außen kaum auf. Lediglich das gutgenährte und fröhliche Gesicht neben dem Eingang deutet darauf, was für Gaumenfreuden einen im Inneren erwarten könnten. Geht man aber doch rein, erwarten einen zwei Alternativen. Entweder man ist so früh da, dass das Lokal noch vollkommen leer und äußerst dunkel ist, oder man ist mitten im Geschehen und schafft es kaum, sich zwischen den Tischen durchzuzwängen. Erscheint man zum Beispiel am Freitag Abend, braucht man schon sehr viel Glück, um einen der Tische zu ergattern. Oder noch besser eine Reservierung, denn Toca Rouge ist schwer angesagt.
Gründe hierfür sind vielfältig. Das mit der Dunkelheit ist übrigens ein Teil des Konzepts. Das Restaurant ist in außerordentlich dunklen Tönen gehalten und nur die Halogenlampen  unmittelbar über den Tischen (Achtung, hohe Verbrennungsgefahr!) lassen das Essen in voller Pracht erscheinen. Auch sonst ist die Deko modern minimalistisch. Das passt aber zu dem Essen und gefällt offensichtlich auch den Gästen. Auch die Enge im Lokal scheint Absicht zu sein. Nicht nur wirtschaftlich ist das für den Betreiber von Vorteil, passen doch mehr Hungrige an die Tische. Auch für die Gäste kann die erzwungene Enge die Kommunikation zwischen den Tischen (gewollte wie ungewollte) befördern.
Das Essen selbst sticht schon beim Öffnen der sehr einfach gehaltenen Karte (zusammengetackerte DIN A4 Blätter) hervor. Und zwar durch Namen. Lassen sich doch auf dieser solche Namen finden wie „Deep Throat Avocado“, „Stop Making Sense“, „Bailing’s Lips“ oder „Long Life“. Die englischsprachigen unter euch werden bereits beim Lesen schmunzeln, den anderen sei zugesichert, in nahezu jedem Namen ist ein Augenzwinkern versteckt.
Die Gerichte selbst, sobald man sie probiert, verbinde ich eher mit einem Augenaufreißen, denn –zwinkern. Die geschmackliche Explosion und das überraschende Zusammenspiel von verschiedenen, nicht selten sowohl asiatischen, wie europäischen Geschmackeinflußen, ist schlichtweg begeisternd. Die Betreiber bezeichnen die Küche selbst als „fine chinese fusion kitchen“. Diese „fusion“ aus verschiedensten unerwarteten Geschmäckern macht gerade den Unterschied zu einem traditionellen chinesischen Restaurant aus. Toca Rouge ist überhaupt nicht mit diesem zu vergleichen!
Meine Empfehlung (schließlich muss man ja mit etwas anfangen) wäre das „Deep Throat Avocado“ als Vorspeise. Die Riesengarnelen mit Avocado auf einem knusprigen Reiskeks mit Mayonnaise und Wasabi sind zwar nicht leicht zu verschlingen, sind aber geschmacklich eine gute Einstimmung auf die noch folgenden Gaumengenüsse. Das „Red Black Honey Girl“ als Hauptspeise ist ein herrliches Zusammenspiel aus Rindfleisch in leicht scharfer Sauce mit Gemüse und süßem Kartoffel. Und die Farbe ist passend zu der Einrichtung, schlicht dunkel. Alternativ könnt ihr das „Crazy Orange Chicken“ wählen – gebratenes Hähnchenfleisch in intensiv fruchtiger Orangensauce. Ich muss übrigens vorwarnen, trotz relativ durchschnittlicher Preise sind die Portionen nicht gerade klein. Da die Geschmackskompositionen euch aber so verzaubern werden, dass ihr den Teller mit großer Wahrscheinlichkeit leer essen werdet, ist die Gefahr seinem Magen zu viel zuzumuten immer präsent.
Mein Fazit – Tisch reservieren, ein paar hungrige Freunde mitnehmen und ein Fest für die Gaumen feiern. Und „last but not least“ – lasst euch zum Schluss nicht die sanitären Einrichtungen entgehen. Dort erwartet euch, gerade im Kontrast zu der Inneneinrichtung, ein Farben- und Lichterspektakel, das seines gleichen sucht. Ihr werdet wissen was ich meine, wenn ihr da seid.

Toca Rouge, Torstrasse 195, 10115 Berlin
 www.tocarouge.de

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