Montag, 18. Februar 2013

Ishin Bundesallee – für Teetrinker mit gutem Hunger


Ishin gehört zu einem der Restaurants, die tagsüber, besonders zur Mittagszeit, überfüllt sind, in den abends jedoch oft gähnende Leere herrscht. Ist das ein Zufall? Meiner Meinung nach muss das wohl ein Teil des Gesamtkonzeptes sein. Und dieser setzt sich wie ein Mosaik aus vielen (mehr oder weniger) bunten Steinchen zusammen.
Zunächst einmal ist anzumerken, dass Ishin eine Kette ist, die mehrere Restaurants in Berlin unterhält. Wenn man einen davon gesehen hat, wird man sich wohl in allen anderen sofort zurecht finden. Falsch ist es zwar nicht, die, sagen wir mal, zweckmäßige Einrichtung lädt aber nicht gerade zum Verweilen ein. Die unschlagbar günstigen Preise jedoch schon eher. Ist man besonders zur Mittagszeit bedacht vor allem günstig und dann erst lecker zu essen, ist Ishin auf jeden Fall in der Top 5 Auswahl. So überrascht es auch nicht, dass das Ishin zur Mittagszeit geradezu aus allen Nähten zu platzen droht, versammeln sich doch die Angestellten aus den umliegenden Büros dort.
Eins der Hauptargumente, der Preis, drohte jedoch kürzlich an Bedeutung zu verlieren, hat doch Ishin den Jahreswechsel dazu genutzt, die Preise um durchschnittlich etwa 1 Euro je Gericht zu erhöhen. Lohnt sich also der Gang zu Ishin immer noch?
Nun, an dem Getränkekonzept hat sich (zum Glück!) nichts verändert. Vorausgesetzt man bestellt sich irgendetwas von der Essenskarte, erhält man einen kostenlosen Tee und kann beliebig oft das heiße Wasser, unter Umständen auch Mal einen Teebeutel, sich selbst nachschenken. Gerade bei einer scharfen Kalkulation des Mittagsmenüs kann solch ein Vorteil entscheidend sein.
Das Essen selbst hat sich kaum verändert. Die Preiserhöhung ist also eher den steigenden Preisen für rohen Fisch als größeren Menüs geschuldet. Und die Mengen an Fisch, die gerade in diesem Ishin verarbeitet werden, sind immens. So kann man sich auch mal beim Essen eine Unterhaltung darin suchen, den Köchen durch die Scheibe beim Fische-Filetieren zuzuschauen.
Abgesehen von den unverändert ausreichend großen Mengen hat sich auch die Essensqualität nicht verändert. Einerseits zum Glück, andererseits aber auch leider. Denn die Qualität der Speisen pendelt sich bestenfalls irgendwo im guten Mittelmaß ein. Nicht mehr, aber leider auch nicht weniger. So verpasste die Geschäftsführung von Ishin leider die günstige Gelegenheit, dem handwerklich gut hergestellten Essen auch mehr Leben einzuhauchen. Die Gerichte erinnern nicht von ungefähr an eine Kantine. Sind sie sättigend und warm, aber leider auch oft eher fad und lieblos zusammengestellt. Eine hohe japanische Küche verspricht schon die Einrichtung nicht, dieses Nicht-Versprechen halten auch die Gerichte ein.
Im Einzelnen sind den Fischessern roher Fisch auf warmen Reis oder kleingehackter gedämpfter Lachs auf Reis empfehlenswert. Die Sushi sind nur den hartnäckigen Warmspeisenverweigerern zu empfehlen, schmecken sie doch meist einfallslos und bestenfalls neutral. Angesichts der guten Fischqualität im Restaurant überrascht es fast, wie die Köche es schaffen, diese gute Fischqualität bei den Sushi vollends vermissen zu lassen.
Bei den Süßspeisen ist Mangopudding zu empfehlen, sein Geschmack ist rund, nicht zu süß und intensiv nach Mango (wenn auch nicht frischer, sondern eher Mangosirup). Die Glasbehältnisse, in den dieser gereicht wird, sind zwar nicht sehr praktisch aber schön anzuschauen und lassen den Pudding umso besser zur Geltung kommen.
Den Kaffee gibt es zwar auch zum Nulltarif, dieser ist auf jeden Fall nicht zu empfehlen. Wohl selten so schlechten Kaffee probiert.
Mein Fazit – als Businesslunch für kleines Geld eine gute Alternative, ansonsten leider eher nicht in der engeren Auswahl, und schon gar nicht zum Abendessen. 
Ishin in der Bundesallee, Bundesallee 203, 10717 Berlin
www.ishin.de

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