Ishin gehört zu einem der
Restaurants, die tagsüber, besonders zur Mittagszeit, überfüllt sind, in den
abends jedoch oft gähnende Leere herrscht. Ist das ein Zufall? Meiner Meinung
nach muss das wohl ein Teil des Gesamtkonzeptes sein. Und dieser setzt sich wie
ein Mosaik aus vielen (mehr oder weniger) bunten Steinchen zusammen.
Zunächst einmal ist anzumerken,
dass Ishin eine Kette ist, die mehrere Restaurants in Berlin unterhält. Wenn
man einen davon gesehen hat, wird man sich wohl in allen anderen sofort zurecht
finden. Falsch ist es zwar nicht, die, sagen wir mal, zweckmäßige Einrichtung
lädt aber nicht gerade zum Verweilen ein. Die unschlagbar günstigen Preise jedoch
schon eher. Ist man besonders zur Mittagszeit bedacht vor allem günstig und
dann erst lecker zu essen, ist Ishin auf jeden Fall in der Top 5 Auswahl. So
überrascht es auch nicht, dass das Ishin zur Mittagszeit geradezu aus allen
Nähten zu platzen droht, versammeln sich doch die Angestellten aus den
umliegenden Büros dort.
Eins der Hauptargumente, der
Preis, drohte jedoch kürzlich an Bedeutung zu verlieren, hat doch Ishin den
Jahreswechsel dazu genutzt, die Preise um durchschnittlich etwa 1 Euro je
Gericht zu erhöhen. Lohnt sich also der Gang zu Ishin immer noch?
Nun, an dem Getränkekonzept hat
sich (zum Glück!) nichts verändert. Vorausgesetzt man bestellt sich irgendetwas
von der Essenskarte, erhält man einen kostenlosen Tee und kann beliebig oft das
heiße Wasser, unter Umständen auch Mal einen Teebeutel, sich selbst
nachschenken. Gerade bei einer scharfen Kalkulation des Mittagsmenüs kann solch
ein Vorteil entscheidend sein.
Das Essen selbst hat sich kaum
verändert. Die Preiserhöhung ist also eher den steigenden Preisen für rohen
Fisch als größeren Menüs geschuldet. Und die Mengen an Fisch, die gerade in
diesem Ishin verarbeitet werden, sind immens. So kann man sich auch mal beim
Essen eine Unterhaltung darin suchen, den Köchen durch die Scheibe beim
Fische-Filetieren zuzuschauen.
Abgesehen von den unverändert
ausreichend großen Mengen hat sich auch die Essensqualität nicht verändert.
Einerseits zum Glück, andererseits aber auch leider. Denn die Qualität der
Speisen pendelt sich bestenfalls irgendwo im guten Mittelmaß ein. Nicht mehr,
aber leider auch nicht weniger. So verpasste die Geschäftsführung von Ishin
leider die günstige Gelegenheit, dem handwerklich gut hergestellten Essen auch
mehr Leben einzuhauchen. Die Gerichte erinnern nicht von ungefähr an eine
Kantine. Sind sie sättigend und warm, aber leider auch oft eher fad und lieblos
zusammengestellt. Eine hohe japanische Küche verspricht schon die Einrichtung
nicht, dieses Nicht-Versprechen halten auch die Gerichte ein.
Im Einzelnen sind den
Fischessern roher Fisch auf warmen Reis oder kleingehackter gedämpfter Lachs
auf Reis empfehlenswert. Die Sushi sind nur den hartnäckigen
Warmspeisenverweigerern zu empfehlen, schmecken sie doch meist einfallslos und bestenfalls neutral. Angesichts der guten Fischqualität im Restaurant überrascht es fast, wie
die Köche es schaffen, diese gute Fischqualität bei den Sushi vollends
vermissen zu lassen.
Bei den Süßspeisen ist
Mangopudding zu empfehlen, sein Geschmack ist rund, nicht zu süß und intensiv
nach Mango (wenn auch nicht frischer, sondern eher Mangosirup). Die Glasbehältnisse, in den dieser gereicht wird, sind zwar nicht
sehr praktisch aber schön anzuschauen und lassen den Pudding umso besser zur
Geltung kommen.
Den Kaffee gibt es zwar auch zum
Nulltarif, dieser ist auf jeden Fall nicht zu empfehlen. Wohl selten so
schlechten Kaffee probiert.
Mein Fazit – als Businesslunch
für kleines Geld eine gute Alternative, ansonsten leider eher nicht in der
engeren Auswahl, und schon gar nicht zum Abendessen.
Ishin in der Bundesallee, Bundesallee 203, 10717 Berlin

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