Habt ihr schon mal die echte georgische Küche genießen
dürfen? Wenn nicht, dankt es euch unter Umständen eure Figur, denn die Speisen
sind meist lecker, sättigend und reichlich. Euer Magen dankt es euch hingegen
gar nicht, denn ihr verpasst mitunter die beste Geschmacksexplosion, die euch
die Perle unter den ehemaligen Küchen der Sowjetunion nur bieten kann.
Ich weiß, jetzt werden ihr, berechtigterweise, den Einspruch
erheben und mich fragen, was Georgien, zwanzig Jahre nach dem Zerfall der
Sowjetunion, noch mit dieser zu tun habe. Ganz viel, erwidere ich! Denn
georgische Küche wird im Ausland auch heute noch oft mit der russischen verwechselt. Das
hat mitnichten etwas mit deren Vergleichbarkeit zu tun. Es liegt vielmehr
daran, dass gerade zu Sowjetzeiten, aber auch schon davor, im Zarenreich, der
georgischen Küche strategische Bedeutung zukam. Oft war Schaschlik in der
Sowjetunion zumindest genauso bekannt (und begehrt) wie Borschtsch oder Blini.
Seit geraumer Zeit gibt es in Berlin die Möglichkeit für
jeden die Vorzüge der georgischen Küche selbst zu erproben. Nötig und
empfehlenswert hierzu sind ein leerer Magen, gute Gesellschaft und ein
Quäntchen Glück, um einen der wenigen freien Tische zu ergattern.
Was danach abläuft, kann man nur als Gaumenschmaus
bezeichnen. Die Vorspeisen im Genazvale sind reichlich wie teilweise exotisch, aber immer mit viel frischem Gemüse und kleinen besonderen geschmacklichen
Nuancen zubereitet. Meine Empfehlung ist ausnahmsweise ein schlichter Salat aus
Gurken und Tomaten. Langweilig sagt ihr? Nicht in diesem Restaurant. Hier
bekommt ihr es garniert und durchgemischt mit allerlei Zutaten, herausschmecken
lassen sich insbesondere die kleingehackten Nüsse. Ebenfalls probieren sollte man
die Auberginenstreifen gefüllt mit Nusspaste – ein Gedicht nicht nur für
Vegetarier unter uns!
Andere sehr empfehlenswerte Vorspeise, nun aber mit Fleisch,
sind die Chinkali. Die erinnern entfernt an sehr große gekochte Teigtaschen.
Das freundliche Personal wird hier mit Erklärungen helfen, ich weiß nämlich
jetzt, dass man sie mit der Hand isst, um ja keinen Tropfen des köstlichen
Saftes zu verlieren.
Ein anderes Gericht darf nicht unerwähnt bleiben –
Chatschapuri. Entfernt erinnert dieser an eine Pizza nur mit Käse. Der Käse ist
aber ganz speziell, rein georgisch und davon ist auf der heißen Köstlichkeit
mehr als genug. Achtung, kann süchtig machen!
Als letztes, jedoch wichtigstes Gericht muss Schaschlik
seine krönende Erwähnung finden. Sicherlich wissen die meisten, dass dies ein
Fleischspieß ist. Dieser, meist aus Lamm- oder Schweinefleisch, je nach
Vorlieben, wird direkt auf dem Spieß serviert und ohne diesen Genazvale zu
verlassen sei lediglich den Vegetariern unter euch erlaubt. So köstliches und
saftiges Fleisch habe ich selten zu Gesicht (und Magen) bekommen. Meine
Empfehlung übrigens (solange ihr die Wahl habt) wäre Schweinefleisch. Bin zwar
kein Fan von Schweinefleisch, Lamm wird aber mit jedem Grad weniger immer zäher
und müsste eigentlich sofort und in einem Stück verschlungen werden. Bei
Schweinefleisch kann man den Genuss zeitlich etwas strecken.
Für Unentschlossene (oder besonders Neugierige) kann ich
übrigens Menüs für zwei Personen empfehlen. Begleitet von freundlichen
Erklärungen könnt ihr damit vollends in die verschiedensten Variationen der
georgischen Küche eintauchen und hungrig werden ihr dieses Restaurant auch bei
Menüwahl nicht verlassen.
Georgische Weine reichen meines Erachtens (noch) nicht ganz
an die in Europa etablierten heran, probieren kann der interessierte Gast den
einen oder anderen dennoch. Ich bleibe beim Kaffee viel Milch. Soll übrigens
auch bei der Verdauung helfen.
Restaurant Genazvale, Windscheidstraße 14, 10627 Berlin
www.genazvale.de

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