Montag, 4. Februar 2013

Restaurant Genazvale – nicht nur fleischliche Genüsse


Habt ihr schon mal die echte georgische Küche genießen dürfen? Wenn nicht, dankt es euch unter Umständen eure Figur, denn die Speisen sind meist lecker, sättigend und reichlich. Euer Magen dankt es euch hingegen gar nicht, denn ihr verpasst mitunter die beste Geschmacksexplosion, die euch die Perle unter den ehemaligen Küchen der Sowjetunion nur bieten kann.

Ich weiß, jetzt werden ihr, berechtigterweise, den Einspruch erheben und mich fragen, was Georgien, zwanzig Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion, noch mit dieser zu tun habe. Ganz viel, erwidere ich! Denn georgische Küche wird im Ausland auch heute noch oft mit der russischen verwechselt. Das hat mitnichten etwas mit deren Vergleichbarkeit zu tun. Es liegt vielmehr daran, dass gerade zu Sowjetzeiten, aber auch schon davor, im Zarenreich, der georgischen Küche strategische Bedeutung zukam. Oft war Schaschlik in der Sowjetunion zumindest genauso bekannt (und begehrt) wie Borschtsch oder Blini.

Seit geraumer Zeit gibt es in Berlin die Möglichkeit für jeden die Vorzüge der georgischen Küche selbst zu erproben. Nötig und empfehlenswert hierzu sind ein leerer Magen, gute Gesellschaft und ein Quäntchen Glück, um einen der wenigen freien Tische zu ergattern.

Was danach abläuft, kann man nur als Gaumenschmaus bezeichnen. Die Vorspeisen im Genazvale sind reichlich wie teilweise exotisch, aber immer mit viel frischem Gemüse und kleinen besonderen geschmacklichen Nuancen zubereitet. Meine Empfehlung ist ausnahmsweise ein schlichter Salat aus Gurken und Tomaten. Langweilig sagt ihr? Nicht in diesem Restaurant. Hier bekommt ihr es garniert und durchgemischt mit allerlei Zutaten, herausschmecken lassen sich insbesondere die kleingehackten Nüsse. Ebenfalls probieren sollte man die Auberginenstreifen gefüllt mit Nusspaste – ein Gedicht nicht nur für Vegetarier unter uns!

Andere sehr empfehlenswerte Vorspeise, nun aber mit Fleisch, sind die Chinkali. Die erinnern entfernt an sehr große gekochte Teigtaschen. Das freundliche Personal wird hier mit Erklärungen helfen, ich weiß nämlich jetzt, dass man sie mit der Hand isst, um ja keinen Tropfen des köstlichen Saftes zu verlieren.

Ein anderes Gericht darf nicht unerwähnt bleiben – Chatschapuri. Entfernt erinnert dieser an eine Pizza nur mit Käse. Der Käse ist aber ganz speziell, rein georgisch und davon ist auf der heißen Köstlichkeit mehr als genug. Achtung, kann süchtig machen!

Als letztes, jedoch wichtigstes Gericht muss Schaschlik seine krönende Erwähnung finden. Sicherlich wissen die meisten, dass dies ein Fleischspieß ist. Dieser, meist aus Lamm- oder Schweinefleisch, je nach Vorlieben, wird direkt auf dem Spieß serviert und ohne diesen Genazvale zu verlassen sei lediglich den Vegetariern unter euch erlaubt. So köstliches und saftiges Fleisch habe ich selten zu Gesicht (und Magen) bekommen. Meine Empfehlung übrigens (solange ihr die Wahl habt) wäre Schweinefleisch. Bin zwar kein Fan von Schweinefleisch, Lamm wird aber mit jedem Grad weniger immer zäher und müsste eigentlich sofort und in einem Stück verschlungen werden. Bei Schweinefleisch kann man den Genuss zeitlich etwas strecken.  

Für Unentschlossene (oder besonders Neugierige) kann ich übrigens Menüs für zwei Personen empfehlen. Begleitet von freundlichen Erklärungen könnt ihr damit vollends in die verschiedensten Variationen der georgischen Küche eintauchen und hungrig werden ihr dieses Restaurant auch bei Menüwahl nicht verlassen.

Georgische Weine reichen meines Erachtens (noch) nicht ganz an die in Europa etablierten heran, probieren kann der interessierte Gast den einen oder anderen dennoch. Ich bleibe beim Kaffee viel Milch. Soll übrigens auch bei der Verdauung helfen.

Mein Fazit – Gaumenschmaus für Vegetarier wie für Fleischliebhaber!

Restaurant Genazvale, Windscheidstraße 14, 10627 Berlin

www.genazvale.de



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